Der Name Stubbenkammer
Was bedeutet dieses Wort?
Das Wort "Stubbenkammer" lautet im Plattdeutschen "Stubbenkamer" oder "Stübbenkamer", wobei das A dumpf und tief, als Zwischenlaut zwischen A und O gesprochen wird.
1.Erklärung:
Die älteren Erklärungsversuche haben das Wort als deutsches aufgefaßt und demgemäß zu deuten versucht. Sie knüpfen an die alte rügensche Volkssage an, welche berichtet, daß der Seeräuber Klaus Störtebecker mit seinen Genossen im 14. Jahrhundert in der Stubbenkammer gehaust und dort eine Niederlage des geraubten Gutes gehabt habe. Davon nun, daß die Seeräuber dort ihre "Stube und Kammer" hatten, soll der Name Stubbenkammer entstanden sein.
2.Erklärung:
Der nächste, der sich mit der Frage beschäftigt hat, ist Albrecht Georg Schwartz in seiner Geogr. des Norderdeutschlandes, Greifswald (1745), S. 96. Er ist der erste, der das Wort Stubbenkammer, wenigstens in seiner zweiten Hälfte, auf die slawische Sprache zurückgeführt hat. Auf diese Ableitung nimmt auch Wilhelm von Humboldt (Tagebuch S. 38) Bezug, indem er gleichzeitig die Ethnologie von Stube und Kammer als abgeschmackt zurückweist.
3.Erklärung:
Bei Krümbke lesen wir, daß die Stubbenitz oder Stubnitz vom gemeinen Manne auf Jasmund "de Stoow" genannt werde, und da er dieses Wort für plattdeusch hält, so bemüht er sich, wiewohl vergeblich, das Wort auf plattdeutsch stuuf d.i. stumpf oder stuwen d.i. abstutzen, abstumpfen zurückzuführen, und ebenso könnte nach seiner Meinung Stubbenkammer aus plattdeutsch Stoowenkammer d.i. Eckkammer der Stoowe entstanden sein. Nichts desto weniger scheint auch ihm die Zurückführung der zweiten Hälfte des Wortes "Stubbenkammer" auf das slawische "kamen" annehmbar, aber der dann sich ergebende "Subbenstein" bleibt ihm rätselhaft, und er verzweifelt daran, das Wort in befriedigender Weise zu erklären. Dass das Wort "Stubbnitz" ein slawisches ist, darf keinen Augenblick angezweifelt werden. In Mecklenburg heißt der in den Dassower Binnensee gehende Fluss Stepenitz 1188, 1202 Stubinize, 1258 Stubenize, 1262 Stopenitz, 1265 Stubenic, 1267 Stobenitz (Meckl. Jahrb. 46 S. 137).
Bald nach Krümkes Tode kam man auf den Gedanken, nicht nur die zweite Hälfte des Wortes Stubbenkammer, sondern auch dessen erste Hälfte aus dem Slawischen herzuleiten. Wie es scheint, ist Ernst Boll (Die Insel Rügen, Schwerin 1858 S.47) der erste gewesen, der diese Ableitung versucht hat. Er leitet das Wort aus den slawischen Worten stopien-kamen d.i. Stufen-Stein oder Fels her, "eine Bezeichnung, welche die oft horizontal abgeschnittenen, sich terrassenförmig nebeneinander erhebenden Partien des Kreidufers ganz anwendbar wäre."
4.Erklärung:
Diese Ableitung findet sich auch bei Begersdorf in seinem slawischen Streifen (Balt. Stud. 33, 1, S.57).Das Wort Stubbnitz deutet er als slawisch stopnica, "im ursprünglichen Sinne das treppenartige, staffelförmige Ufer, später übertragen auf die dahinterliegende, waldige Gebirgspartie, die heute noch einen schönen Forst trägt", und Stubbenkammer als slawisch stopnica kamjenna "das steinige Staffelufer".
Einen weiteren Fortschritt auf dem einmal betretenen Wege zeigt G. Jacob. Auch er deutete Stubbenitz als stopjenika "Stufenland, ein beständiges auf und nieder", aber das Wort Stubbenkammer soll entstanden sein aus Stopjen(nje) ko mor(ju) d.i. "Stufen zum Meer".
Diese Deutung, die bis in die neueste Zeit hinein Anerkennung gefunden hat, dürfte jedoch kaum zutreffend sein.





